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zu klein? klicken!Prospektausschnitt (Japan, 1983)

Das Guinness Buch der Rekorde verzeichnete in seiner Ausgabe 1984 die SEIKO TV-Watch als "das kleinste Fernsehgerät der Welt". Das ist eine interessante Theorie, denn das, was hier abgebildet ist, sieht tatsächlich aus wie der kleinste Fernseher weit und breit. Unglücklicherweise fehlt jedoch ein entscheidendes Detail: Der notwendige TV-Empfänger steckt in einem etwa Walkman-großen Kästchen (Modelnummer TR02-01), welches über das abgebildete Kabel mit der Armbanduhr verbunden ist. Idealerweise führt man die Leitung durch den Ärmel und lässt den Empfänger in der Sakko-Tasche verschwinden. Jetzt muss nur noch der Kopfhörer aufgesetzt werden (das Anschlusskabel dient als Antenne) und schon kann man unauffällig fast überall fernsehen. Wenn man nur auf dem unbeschreiblich kontrastarmen Flüssigkristall-Display irgend etwas erkennen könnte ...
 

Die "TV-Watch" der 1881 begründeten HATTORI SEIKO CO., LTD. wurde im Sommer 1982 offiziell Jahres vorgestellt (manche Quellen nennen den 16. Juli, andere den 23. September). Mehrere Millionen Dollar waren in die Entwicklung geflossen. Zunächst war die Uhr nur in Tokio und Osaka als DXA001 für 108.000 Yen erhältlich, danach auch als DXA002 in ganz Japan für 98.000 Yen (damals umgerechnet etwa 1.100 bzw. 1.000 DM). Beide Versionen unterschieden sich nur geringfügig: Das Gehäuse der ersten Version DXA001 ist, im Gegensatz zur späteren (und oben abgebildeten) Ausführung, schwarz eingefasst ("Sports Model"). Dem günstigeren Paket lag zudem statt des Kopfhörers lediglich ein Paar Ohrhörer bei.

In den USA wurde die Uhr ab 1983 für 495$ verkauft, offenbar ausschließlich in der "DXA002-Ausführung", aber mit Bügelkopfhörer. Die erste (und heute kaum mehr aufzutreibende) Edition T001-5000 wurde in einem silberfarbenen Karton ausgeliefert, die Schutztasche für den Receiver war ebenfalls in Silber gehalten. Wesentlich häufiger anzutreffenden ist die spätere Version T001-5019, die in einer goldfarbene Box geliefert wurde. Ab einer bestimmten Seriennummer wurde darüber hinaus das Gehäuse minimal anders gearbeitet, sodass das Videokabel einen besseren Halt findet. Kurios: Die offenbar höchst pessimistischen Entwickler gingen damals von einer Haltbarkeit des LCD-Moduls von nur etwa sieben Jahren aus ...

Ungeachtet ihrer "faktischen Unbrauchbarkeit" ist die SEIKO TV-Watch eine Art heiliger Gral jeder Mini-Fernseher-Sammlung. Obwohl es zwischenzeitlich einen (nicht annähernd so coolen) Nachfolger gab, ist Ihre Faszination ungebrochen. Auf der großen Leinwand war die TV-Watch mehrmals zu sehen: 1983 trug Roger Moore in Octopussy statt der üblichen Rolex Submariner (unter anderem) eine TV-Watch, und 1987 sah man ein Exemplar am Handgelenk von Tom Hanks in dem Klamauk Dragnet ("Schlappe Bullen beißen nicht"). Selbstverständlich wird in beiden Filmen auf den Kopfhörer (respektive die Antenne) verzichtet, in Octopussy war das TV-Bild sogar unerwartet farbig. Besonders die Tatsache, dass die Uhr in einem "Bond" zu sehen war, treibt die Preise für die TV-Watch ordentlich in die Höhe. Zwar fallen die Preise seit einigen Jahren leicht, aber gut erhaltene Exemplar in der Originalverpackung (das ist wichtig) wechseln noch immer selten für unter 300 US-Dollar den Besitzer, "ladenfrische" Exemplare liegen mitunter jenseits der 500$-Marke.

Die technischen Daten in der Übersicht: 1,2 Zoll Display ohne Hintergrundbeleuchtung ("blau/weiß", 152 * 210 gleich 31.920 Bildpunkte, 10 Graustufen, 16,8 * 25,2 mm), 5 Stunden Betriebsdauer mit einem Batteriesatz, externer Tuner für VHF & UHF (Kanäle 2 bis 83!), sowie UKW (in Stereo). Die Uhr in ihrer urtümlichen Funktion kann als Stoppuhr (Auflösung 1/100 Sekunde) und als Wecker missbraucht werden. Das mehrpolige Anschlusskabel führt der Uhr unter anderem drei unterschiedliche Spannungen zu (4, 9 und 13 Volt), sowie getrennte Signale für Video und Synchronisation. Weitere Informationen zur Uhr verrät die Bedienungsanleitung (PDF, 2,4 MB - Dank an Olivier Bideau aus Le Mans). Die einzige lieferbare Option war das externe Netzteil TD02.

Ausführliche technische Hinweise gibt Jochen Hübl auf seiner TV-Watch Homepage, dort findet sich auch ein Blick auf die Uhr "in Aktion" (AVI/DivX, 2 MB). Kenner der japanischen Sprache und die Fans putziger Bilder haben sicher Ihre Freude an den bunten Prospektseiten, die sich hinter den folgenden drei Links verbergen: page1, page2, page3 (jeweils etwa 250 kB). In englischer Sprache ist mir bisher nur ein Prospekt zugeflogen, der die Uhr zur Abwechslung mal unter dem Label EPSON anpreist (seit 1985 gehören SEIKO und EPSON zusammen). Im Juli 1983 veröffentliche die Zeitschrift Video Review einen Erfahrungsbericht zur TV-Watch, und in Deutschland berichtete unter anderem die längst eingestellte Elektronikzeitschrift ELO im Oktober 1982 von diesem einmaligen Hightech-Spielzeug. In diesem Artikel ist, wie auch in Octopussy, der Prototyp der TV-Watch zu sehen: Der Schriftzug "SUWA SEIKOSHA" wurde in der Serienfertigung durch "SEIKO" ersetzt, die Uhr hatte noch vier Tasten (später drei), und der querliegende Steckverbinder war ursprünglich noch metallverkleidet.

Im original Lieferumfang befanden sich neben allerlei Papierkram und einem Ledertäschchen für den Tuner auch drei Ersatzglieder für das Armband. Das wertvolle (weil auch nicht mehr erhältliche) Anschlusskabel meiner TV-Watch ist ca. 80 cm lang. Die Uhr selbst misst 40 * 49 * 10 mm und wiegt mit Edelstahlband und einer Knopfzelle vom Typ SR920W gut 80 Gramm, der Empfänger wiegt mit 2 Alkaline Mignon-Zellen knapp 190 Gramm. Made in Japan 1982 bis 1983.

Gebrauchswert:Sammlerwert:

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Update: 07.07.2011

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